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Jahresbericht des Vorsitzenden
15.09.2004
Rechnungsabschluss
2003
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Die
Faulen werden geschlachtet,
die Welt wird fleißig.
Die Hässlichen werden geschlachtet,
die Welt wird schön.
Die Narren werden geschlachtet,
die Welt wird weise.
Die Kranken werden geschlachtet,
die Welt wird gesund. |
Die Traurigen werden geschlachtet,
die Welt wird lustig.
Die Alten werden geschlachtet,
die Welt wird jung.
Die Feinde werden geschlachtet,
die Welt wird freundlich.
Die Bösen werden geschlachtet,
die Welt wird gut.
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Erich Fried
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- Klimawandel
Wir befinden uns in einem Klimawandel. Die Temperatur
der Atmosphäre steigt beständig und ungebremst.
Die Folgen sind bekannt. Im naturwissenschaftlichen
Unterricht haben wir einmal etwas über die Erhaltung
der Energie gelernt: Es geht nichts verloren und
lässt sich nichts dazugewinnen. Also muss die
Wärme irgendwoher kommen. Manchmal habe ich die
Befürchtung, sie kommt aus der Gesellschaft und
leider auch aus der Kirche, denn dort wird es
kälter. Zumindest empfinden das viele so. Der
Überschuss an Arbeitskräften schlägt auch auf
unsere Kirche durch. Nicht dass wir zu viele Arbeiter
für zu wenig Arbeit im Weinberg wären, auch nicht
mehr unbedingt, dass im Moment zuwenig Silbergroschen
für die nötige Alimentation am Abend nach dem
Tagewerk vorhanden wären. Aber es wirkt so, als
ob für den Thüringer Weinberg im Herbst keine
gute Ernte mehr zu erwarten sei, deshalb scheint
es besser, schon im Winter und Frühjahr weniger
Arbeiter zu haben. Die Arbeiter fügen sich in
ihre Rollen: Die einen gehen dem Trend zum Trotz
noch fleißiger ans Werk, hacken und pflegen in
der Hoffnung, dass es sie nicht trifft. Die anderen
sind innerlich gelähmt von der zu erwartenden
Missernte. Wieder andere suchen das Heil im Erwerb
eines weiteren Weinbergs, der auch nicht besser
ist als der eigene, und einige wollen die Arbeiter
flächendeckend beobachten, um Defizite bei der
Gartenarbeit rechtzeitig aufzudecken. Da ist zwar
auch etwas Richtiges dran, es fehlt aber an einem
Konzept, wie mit den Erkenntnissen umgegangen
werden soll. Bewirkt wird eher ein latentes Misstrauen
gegenüber der Pfarrerschaft. Wenig Ermutigendes
ist zu hören, um so öfter, dass nicht wenige unserer
Arbeiter demoralisiert werden, von der Freude
an den Früchten des Weinstockes nichts mehr spüren,
ihnen das Gefühl vermittelt wird, sie seien dem
Weinberg nicht dienlich und moderner Winzerkunst
nicht gewachsen. Ich hoffe, dass irgendwann sich
die Erkenntnis wieder durchsetzt, dass nicht alle
alles perfekt können, dass krank gewordene Arbeiter
besonderer Pflege mehr bedürfen als vernichtender
Kritik. Auch tragen für Missernten nicht immer
diejenigen die Schuld, die mühsam den ausgedörrten
Boden gepflügt haben, oft ist es schlicht der
fehlende Regen. Hin und wieder ein Blick nach
oben kann da hilfreich sein. Übrigens gibt es
auch recht unterschiedliche Rebsorten und unterschiedliche
Böden, auf denen diese gedeihen. Nicht jeder Wein
schmeckt jedem. Eine Versetzung des Arbeiters
lässt möglicherweise den Wein ganz versauern,
den Arbeiter übrigens auch. Nun, beim Klimawandel
kommt die Wärme natürlich nicht aus der Kirche,
so warm war es darin vielleicht auch nie, dass
es zur Erwärmung der Erdatmosphäre ausreichen
würde. Selbst durfte ich vor einigen Jahren in
persönlich schwieriger Zeit die Erfahrung machen,
dass Leute unseres Vereins mir zugehört und geholfen
haben. Eine wichtige Aufgabe sehe ich folgerichtig
darin, einander beizustehen, wenn es mal kälter
wird. Oft haben wir wirklich entscheidend helfen
können. Ich stelle dabei nicht und keinesfalls
immer zuerst die Frage nach der jeweils eigenen
Schuld. Bisher habe ich kaum jemanden entdecken
können, der dies nicht hinreichend bis übertrieben
selbst getan hätte. Insofern fühle ich mich manchmal
in die Zeit vor der Reformation zurückversetzt,
als Martin Luther vergeblich nach Rechtfertigung
gesucht hat, weil keiner mehr etwas von der Gnade
wusste. Nur predigen sollen wir wie nach der Reformation.
Viele von uns haben das Empfinden, es sei nicht
mehr die Kirche, in der sie einmal angefangen
haben, es sei nicht mehr ihre Kirche. Die deutlich
zurückgehende Zahl von Nachwuchs aus traditionellen
Pfarrersfamilien ist dafür beredtes Zeichen. Ich
will damit keinerlei Wertung über die Herkunft
abgeben, aber wenn diejenigen, die unseren Beruf
am besten kennen, unsere Kinder, ihn nicht mehr
für erstrebenswert halten, macht mich das schon
traurig. Selbstverständlich bin ich mir bewusst,
dass ich die Entwicklungen hauptsächlich aus dem
Blickwinkel der Pfarrervertretung wahrnehme, auch
dass uns die Probleme viel eher bekannt werden
als die Orte, an denen alles gut geht, denn wer
ruft mich schon an, um mir zu berichten, wie wohl
er sich fühlt. Wir können nicht objektiv sein
und erheben diesen Anspruch nicht. Dennoch nehmen
wir Veränderungen in der Gesetzgebung und im Umgang
mit Menschen wahr. Wir meinen dabei feststellen
zu können, dass Strukturen mächtiger und unpersönlicher,
die Rechte der Pastorinnen und Pfarrer geringer
und geringer geachtet werden. Andererseits wird
unser Verein, der gleichzeitig die Aufgabe der
Pfarrervertretung übernimmt, mehr geschätzt und
stärker in Anspruch genommen. Es setzt sich die
Erkenntnis durch, die Mitgliedschaft im Thüringer
Pfarrverein kostet nicht nur etwas, sie hilft
auch, schwere Situationen besser bewältigen zu
können, sowohl wenn finanzielle Hilfe als auch
rechtlicher Beistand benötigt werden. Selbstverständlich
sind wir ebenso für diejenigen da, die dem Verein
nicht angehören, aber dazu gehört auch die Erfahrung,
dass aus Kostengründen auf die Durchsetzung von
Ansprüchen verzichtet wurde. Diese Sorge vermag
unsere Rechtsschutzversicherung zu nehmen. Zusammen
sind wir inzwischen so stark, dass wir nicht mehr
überhört oder sogar übergangen werden können,
wenn auch die Ergebnisse von Anhörungen bei Weitem
nicht zufriedenstellend sind. Gewiss können wir
nicht alle Probleme lösen, aber es muss sich auch
keiner allein gelassen oder isoliert fühlen. Hin
und wieder sind wir mit der Zahl und der Art der
Sorgen unserer Schwestern und Brüder beinahe überfordert.
Damit komme ich vom Allgemeinen zum Konkreten
- Der Vorstand
Der neue Vorstand, den Sie am 17. September 2003
Jahr gewählt haben, hat zum 1. Oktober seine Tätigkeit
aufgenommen. Ihre Wahl hat uns einen allmählichen
Übergang erlaubt. Frau Ruth Dreyer bearbeitet
in bewährter Weise die Anträge auf finanzielle
Unterstützungen, wobei inzwischen die Starthilfe
aus Württemberg aufgebraucht ist und wir jetzt
aus eigenen Vereinsbeiträgen die Hilfen aufbringen
müssen. Dazu wird es eine Stiftung geben, hoffentlich
bald, denn der Weg durch die Behörden ist lang.
Frau Brigitte Enke ist neu für den Vereinsschatz
zuständig und wird uns selbst noch berichten.
Michael Thurm als Stellvertretender Vorsitzender
ist mit seiner Orts- und Personenkenntnis weiter
für die Partnerschaft zur Slowakei und die Ferienhäuser
an der Bleilochtalsperre zuständig und fungiert
als Beistand. Pfarrer Möller kümmert sich freundlich
und liebevoll um die Ruheständler. In den Vorstand
hinzuberufen haben wir für die Öffentlichkeitsarbeit
Wilfried Stötzner und - wegen seiner in langer
Tätigkeit angesammelten überaus reichen Kenntnisse
- gewissermaßen als "Erfahrungsschatzmeister"
Paul-Gerhard Kiehne, der dazu wenigstens für drei
Jahre seine Bereitschaft erklärt hat. Als Sprecher
für die Synode haben wir bisher niemanden gewinnen
können, der bereit ist, an allen Vorstandssitzungen
teilzunehmen. Thomas Freytag unterstützt aber
unsere Anliegen in der Synode. Der Sitz des Vereins
wurde inzwischen an den Wohnort des neuen Vorsitzenden
nach Steinach verlegt. Nach dem Termin beim Notar
verging mehr als ein halbes Jahr. Seit einigen
Tagen halten wir den Auszug aus dem Vereinsregister
in Händen. So werden wir bis zum Jahresende für
alle Vereinsmitglieder eine korrekte Satzung und
das Leistungsverzeichnis drucken lassen können.
Auf Beschluss des Vorstandes wirkt in Steinach
im Büro Frau Tomschke-März mit. Für sie konnte
eine halbe Stelle eingerichtet werden, die je
hälftig vom Verein und der Landeskirche getragen
wird. Ohne sie könnte ich die umfangreichen Arbeiten
neben einem vollen Pfarramt keinesfalls bewältigen.
Dank und Bewunderung gilt deshalb noch einmal
nachträglich unserem bisherigen Vorsitzenden.
Eine über die 25%ige Sekretärinnenstelle (Anteil
Landeskirche) hinausgehende Entlastung wurde trotz
unserer vorgetragenen Bitte seitens des Landeskirchenrates
nicht ermöglicht. Auf Superintendenturebene wurde
mir die Befreiung vom Religionsunterricht gewährt,
ein Recht ist das natürlich nicht. Inzwischen
haben wir uns gut zusammengefunden und bewältigen
alles leidlich zur Zufriedenheit. Platz für Steigerungen
muss ja immer bleiben, damit wir in den folgenden
Jahren von Verbesserungen berichten können.
- Die kirchliche Gesamtsituation
Im vergangenen Jahr hat sich viel bewegt, in welche
Richtung und zu welchem Ziel wird uns vermutlich
erst langsam zu Bewusstsein kommen. Mit großem,
auch finanziellem Aufwand wurde die Föderation
auf den Weg gebracht. Wie viel Energie und Zeit
die neuen längeren Wege verbrauchen werden, wissen
wir noch nicht, dass es unpersönlicher und unser
Einfluss kleiner werden könnte, ahnen wir. Der
hohe Aufwand für die Zusammenarbeit der Verwaltungen
steht nach meiner Auffassung in keinem Verhältnis
zu der fast völlig fehlenden geistlichen und theologischen
Aufarbeitung. Es geht dabei nicht nur um das Zusammengehen
zweier Partner unterschiedlicher Herkunft. Es
geht auch darum, dass wir einer gesamtgesellschaftlichen
Herausforderung zwar meinen gerecht zu werden,
ihr in Wirklichkeit aber aus dem Wege gehen wollen.
Der ostdeutschen kirchlichen Situation lässt sich
nicht mit Konzernbildung begegnen. Ich schließe
nicht aus, dass es sogar der falsche Weg ist,
denn etwas Neues ist nicht entstanden. Auch wurde
nicht gefragt, was für die Gemeindeglieder wichtig
ist, die nach einer geistlichen Heimat suchen.
Diese haben wir mit kleineren Strukturen in schwierigen
Zeiten anbieten können. Dass das Lutherische Bekenntnis
von all dem unberührt bleiben soll, mag zwar manchen
Kritiker vorerst zum Schweigen gebracht haben,
legt aber Zeugnis davon ab, dass wir nicht bereit
waren, den Herausforderungen mit Antworten des
Glaubens und des Bekenntnisses gemeinsam als Lutherische
Kirchen zu begegnen. Ich ziehe damit nicht in
Zweifel, dass es in der KPS hauptsächlich Gemeinden
gibt, die sich als gut lutherisch empfinden. Das
ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob wir geistliche
Antworten suchen oder unser Heil von Beraterfirmen
erwarten. Wir dürfen das Lutherische Bekenntnis
nicht unberührt als Museumsstück der Vitrine überlassen.
Wenn ich die Anmeldungen für den heutigen Tag
richtig gelesen habe, wird das als eine Aufgabe
gesehen, die nur Gemeindepfarrern und Ruheständlern
überlassen bleiben soll. Uns wird offensichtlich
viel zugetraut! Als geradezu dramatisch empfinde
ich den zeitgleichen Bedeutungsverlust der VELKD
zugunsten der EKD. Einiges wurde gerade noch gerettet.
Das täuscht mich nicht darüber hinweg, dass es
Vertreter gab, die sich weitergehende Schritte
gewünscht haben. In Hannover habe ich auf der
Sondersynode im April erlebt, welche Rolle sich
dabei unsere Kirchenleitung ausgewählt hat. Der
Zusammenhalt in dieser im Gegensatz zur EKD verfassten
Kirche wird leider wenig geschätzt. Wir werden
wohl zukünftig sehen, dass wir als Pfarrervertretung
nicht mehr in der Weise mitwirken können, wie
wir das bisher in der Gesamtpfarrervertretung
der VELKD in vertrauensvoller Atmosphäre tun konnten.
Beim Kongress der Europäischen Pfarrverbände in
Løgumkloster in Dänemark Anfang September 2004
sagte ein britischer Kollege: "Wir benötigen keine
Modernisierung der Kirche. Was wir brauchen, ist
mehr Heiligkeit." Er kam nicht aus den abgelegenen
Tälern der schottischen Highlands, sondern aus
London.
- Der Thüringer Pfarrverein
Beim Schreiben hatte ich das Empfinden, jetzt
muss wieder ein erfreulicher Abschnitt kommen.
Über unseren Verein brauchen wir nicht zu klagen.
Es gibt kaum Austritte, dagegen weit mehr Eintritte.
Zur Zeit sind es 603 Mitglieder, also wieder einige
mehr als im Vorjahr. Die Vikare, die im letzten
Jahr begonnen haben, sind alle dem Verein beigetreten,
die in diesem Jahr anfangen werden, bereits zu
einem Drittel. Bei einem Treffen mit der Leitung
des Predigerseminars haben wir vereinbart, dass
wir zukünftig im Einführungskurs den Verein vorstellen
können. Von beiden Seiten wurde die Notwendigkeit
gesehen, die Neuen wenigstens kurz über unsere
Existenz in Kenntnis zu setzen und ihnen zu berichten,
was sie von uns erwarten dürfen. Erfreulich ist,
dass wir von den Vikaren häufiger angefragt werden,
so erfahren wir mehr von ihren Sorgen und können
darauf reagieren. Zukünftig wird es eine engere
Zusammenarbeit mit dem Predigerseminar geben.
Wenn Satzung und Leistungsverzeichnis im Druck
vorliegen, werden wir allen Nichtmitgliedern das
Angebot unterbreiten, dem Verein beizutreten.
Wir brauchen nicht zu werben, um unsere Existenz
oder die finanziellen Grundlagen zu sichern. Wir
tun es aus der Verantwortung heraus, dass jeder
in Situationen geraten kann, in denen er Hilfe
braucht. Als Vorstand sehen wir, wie vielen Mitgliedern
wir im vergangenen Jahr wieder in Notlagen helfen
konnten. Den über viele Jahre treuen Mitgliedern
danke ich, dass sie zur Erfüllung dieser Aufgaben
beigetragen haben. Die weiterhin positive Mitgliederentwicklung
zeigt uns, von wie vielen gesehen wird, dass unser
Zusammenstehen im wahrsten Sinne des Wortes notwendig
ist. Sie zeigt uns auch, dass unsere Arbeit Früchte
trägt. An dieser Stelle danke ich allen, die uns
mit Briefen, Telefonanrufen oder auch einem kurzen
Gruß ermutigt haben. An manchen Tagen haben wir
das wirklich nötig.
- Thüringer Pfarrertage
Diese alte Tradition wollen wir neu beleben. Mit
dem letzten Pfarrertagsthema "Mobbing in der Kirche"
haben wir wohl durchaus ein relevantes Problem
aufgegriffen. Es gab über 100 Anmeldungen, auch
aus der Mitarbeiterschaft, der Kirchenleitung
und anderen Landeskirchen. Die Verbindung eines
juristischen mit einem theologischen Referat schien
gelungen, das empfanden auch die Vortragenden
so. Die zahlreichen Nachfragen nach den Manuskripten
bestätigen dies. Herzlicher Dank gilt Dr. Rainer
Stahl, dem Generalsekretär des Martin-Luther-Bundes
und Dr. Hartmut Schwan, dem Präsidenten des Oberverwaltungsgerichtes
in Weimar. Der Vortrag von Dr. Stahl war bereits
in der Augustausgabe des Hessischen Pfarrblattes
nachzulesen. Dr. Schwan wird uns voraussichtlich
auch noch eine Zusammenstellung seiner Positionen
zur Verfügung stellen, wenn seine Zeit ihm das
erlaubt. Im kommenden Jahr soll es voraussichtlich
am 27. April um das "Burn-out-Syndrom" gehen.
Wieder wollen wir die Verbindung zwischen Theologie
und anderen Wissenschaften, diesmal der Psychologie,
suchen.
- Die Immobilien
Das klingt immer nach Reichtum, aber es kann auch
eine Last werden. Deshalb soll das schon länger
leerstehende Haus in Eisenach, Mariental 42a verkauft
werden. Es hat dazu zahlreiche Besichtigungen
gegeben, weswegen Paul-Gerhard Kiehne eine rege
Reisetätigkeit entwickeln musste. Wir hoffen,
das Gebäude noch in diesem Jahr abstoßen zu können,
auch wenn der Ertrag etwas unter unseren Erwartungen
bleiben wird. Der Erlös soll dem Stiftungsvermögen
zugeführt werden und auf diesem Wege allen zugute
kommen. Die Ferienhäuser sind in den Sommerferien
recht gut ausgelastet. Verbesserungen sind unbedingt
nötig. Hoffnungen, das Nötigste über ABM tun zu
können, haben sich leider zerschlagen. So wird
es einen neuen Anlauf brauchen. Kostenvoranschläge
sind bereits eingeholt. Es ist jedenfalls zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht daran gedacht, diese
Häuser zu verkaufen.
- Kontakte zu den Partnervereinen
Selbstverständlich haben wir die Kontakte nach
Württemberg, nach Montbéliard und in die Slowakei
weiterhin gepflegt. Wir waren zum Württembergischen
Pfarrertag eingeladen und nach Montbéliard. Es
gab einen regen Austausch in Dänemark mit Vertretern
europäischer Pfarrverbände und Kirchen. Besonders
beschäftigt haben uns die Verhältnisse in der
Slowakei, die Auseinandersetzung zwischen Kirchenleitung
und Pfarrvereinsvorstand. Es war keine leichte
Aufgabe, einen eigenen Standpunkt zu finden und
zu vertreten. Wir sind diesbezüglich mit unserer
Kirchenleitung zu keiner gemeinsamen Strategie
gekommen. Ich selbst sah es als unsere Aufgabe
an, den Slowakischen Pfarrverein zu unterstützen.
Nach ausführlicher Lektüre war ich zu der Erkenntnis
gekommen, dass der Pfarrverein im Recht sei und
mit den Abmahnungen an seine Vorsitzenden die
Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht mehr gewahrt
sei. Bei unseren Württemberger Partnern habe ich
mich persönlich für die Fortsetzung aller Hilfen
eingesetzt. Das ist glücklicherweise auch gelungen.
Zeitweilig war ich, waren wir mit unseren Auffassungen
recht einsam. Mit Spannung habe ich deshalb die
Entscheidung slowakischer Gerichte erwartet. Sie
haben unsere Auffassung bestätigt. Die Kritik
der slowakischen Vereinsvorsitzenden war berechtigt.
Sie haben das Empfinden, dass sie von ostdeutschen
Kollegen immer noch besser verstanden werden,
weil uns eine ähnliche Vergangenheit geprägt hat,
die Erfahrung mit Diktaturen und Geldgebern. Sie
setzen in uns ihre Erwartungen. Es bleibt mühsam
und nicht spannungsfrei, ihren Sorgen Gehör zu
verschaffen. Ich bin dankbar, dass wir uns nicht
haben einschüchtern lassen.
- Silberordination
Gern habe ich mich an die geistlichen Tage erinnert,
zu denen ich als Pfarrer meines Jahrgangs eingeladen
war oder auch einmal als Vertreter des Pfarrvereinsvorstandes
mitgewirkt habe. Aus dieser Erfahrung heraus habe
ich im Gespräch mit dem Landesbischof angeregt,
die alte Tradition wiederzubeleben, das Jubiläum
der Silberordination gemeinsam zu gestalten, auch
damit wir die Dankgabe des Pfarrvereins persönlich
übergeben können. Eine Zusage haben wir bisher
leider nicht erhalten, lediglich für die 40- bzw.
50-jährigen Ordinationsjubiläen könne er sich
die Zusammenarbeit vorstellen.
- Stellungnahmen
Das Verhältnis zu unseren Stellungnahmen ist ausgesprochen
ambivalent. Manchmal werden unsere Vorschläge
schlicht ignoriert, manchmal werden insbesondere
nach meinen Voten zu Personalfragen ganze Verordnungen
und Gesetzesparagraphen neu geschrieben. Ich könnte
darauf stolz sein, wenn sie nicht im Regelfall
zu Ungunsten der Rechte der Pfarrerschaft ausfielen.
Zu Beginn der Tätigkeit des neugewählten Vorstand
wurde uns in Aussicht gestellt, die wenigen Stellungnahmen
würden uns so wenig belasten, dass eine Entlastung
nicht erforderlich sei. Im ersten Amtsjahr werden
es wohl mindestens zwölf sein, davon allein von
Mitte September bis Mitte Oktober diesen Jahres
fünf. Doch wichtiger als die Zahl ist der Inhalt:
- Feststellung der Diensteignung
Diese Verordnung ist schon seit 1. April 2003
in Kraft. Wir hatten damals gewarnt, der Katalog
mit den zu überprüfenden Eigenschaften würde
dazu führen, dass nach Defiziten erst Ausschau
gehalten wird und dazu vieles in die Beurteilung
gerät, was sich einer objektiven Einschätzung
entzieht. Nicht nur diese Befürchtungen haben
sich bestätigt. Leider mussten wir darüber
hinaus in Einzelfällen feststellen, dass die
Fähigkeiten Vorgesetzter, eine Beurteilung
zu verfassen, nicht immer ausgeprägt sind,
dass sogar Beurteilungen geschrieben wurden,
obwohl der zu Beurteilende nicht einmal in
Augenschein genommen wurde. Die Texte genügen
nicht den heute allgemein gültigen Standards.
Manche meinen sich innerkirchlich darüber
hinwegsetzen zu können, unter anderem mit
dem Hinweis, Beurteilungen müssten auch wehtun.
Außerdem müssten sie ausgewogen sein, es müsse
also Gutes und Schlechtes darin stehen. Mit
diesen Begründungen werden z.T. vernichtende
Urteile gefällt. Sicherlich sollten sie kritisch
sein und Hinweise zur Entwicklung geben, aber
wehtun dürfen sie gerade nicht und Schlechtes
sollte auch nicht darin enthalten sein. Wir
werden als Pfarrervertretung darauf zu achten
haben, wie die Verordnung gebraucht wird.
Abgesehen davon fürchte ich um die Wertschätzung
der Ordination.
- Das Superintendentenwahlgesetz
Dass Superintendenten gewählt werden, war
längst überfällig, weshalb wir diesen Entwurf
grundsätzlich begrüßt haben. Unserem Vorschlag,
eine Gastpredigt, also die Vorstellung in
einem Gottesdienst, zwingend vorzuschreiben,
wurde erfreulicherweise entsprochen. Wir wollten
damit dem durch die Reduzierung der Gemeindepfarrstellen
der Superintendenten auf 25% genährten Verdacht
entgegenwirken, es handele sich fast nur noch
um ein Aufsichts- und Verwaltungsamt.
- Leitlinien kirchlichen Lebens
Zur Herbstsynode waren wir zur Stellungnahme
aufgefordert, auch zum Vorwort. Dieses empfand
ich sowohl sprachlich wie auch inhaltlich
nicht so gelungen. Ich habe es deshalb überarbeitet
und der Stellungnahme angefügt. Mir ist berichtet
worden, dass die Synodalen meinen Vorschlag
als die bessere Variante angesehen haben.
Dennoch wurde er nicht übernommen. Begründung:
Das kirchenleitende Gremium, welches den ersten
Entwurf erarbeitet hatte, wollte meinen Text
nochmals verbessern. Um so mehr verwunderte
uns, dass im Druck dann doch der ursprüngliche
Text erschien. Eine offizielle Begründung,
warum das Votum der Synodalen übergangen wurde
und weshalb die Hinweise der Pfarrervertretung
keine Berücksichtigung fanden, gibt es bis
zum heutigen Tag nicht, obwohl uns diese angekündigt
wurde. Sollten wir jemandem zu nahe getreten
sein?
- Die Mitarbeitendenjahresgespräche
Dieses Thema hat uns ebenfalls vor der Herbstsynode
sehr beschäftigt. Vorab muss ich Ihnen sagen,
dass unser Votum keine Berücksichtigung fand.
Der mit einem Antwortschreiben an uns beauftragte
Oberkirchenrat hat sich trotz mehrfachen Nachfragens
eines Vereinsmitgliedes bisher nicht mit unseren
Einwänden auseinandergesetzt. Wir hatten vorgetragen,
dass die dafür vorgesehene und beschlossene
Schaffung von 4,5 neuen Stellen angesichts
bevorstehender drastischer Kürzungen von Gemeindepfarrstellen
das falsche Signal sei, auch wenn wir die
zusätzliche Belastung der Superintendenten
sehen. Die damit verbundene Tendenz, Stellen
und Mittel von unten nach oben, von den Gemeinden
zur Dienstaufsicht zu verschieben, wird mit
großer Sorge beobachtet, zumal für die Arbeit
der Pfarrervertretung Entsprechendes vehement
abgelehnt wird. Allerdings sei mir der Hinweis
gestattet, dass die Sorge um die Pfarrer eigentlich
früher schon ureigenste Aufgabe der Superintendenten
gewesen sein sollte und ja schon mit einer
halben Stelle dotiert war. Genaugenommen sind
die Mitarbeitendenjahresgespräche die Folge
der mangelhaften Erfüllung dieser Aufgabe.
Unterstützung solcher Art wünschen wir uns
auch für überlastete Pfarrer, denn sie bekommen
letztlich diese 0,25% mehr aufgebürdet.
- Der Privatrechtliche Dienstvertrag
Diese Möglichkeit sollte für absolute Ausnahmefälle
geschaffen werden, die sonst nicht angestellt
werden könnten, weil sie beispielsweise zu
alt seien. Diese Verordnung haben wir nach
intensiver rechtlicher Prüfung insgesamt abgelehnt.
Diesmal mussten unsere Bedenken unberücksichtigt
bleiben, weil es bereits 18 solcher Ausnahmen
gab, aber ohne rechtliche Grundlage. Inzwischen
wissen wir, dass regelmäßig Pfarrer privatrechtlich
angestellt werden, um sich leichter wieder
von ihnen trennen zu können. Auch hier müssen
wir nach dem Stellenwert der Ordination fragen.
Unsere Bedenken betrafen die Dienstherrenfähigkeit
der Kirche, den Gleichbehandlungsgrundsatz
Art. 3 GG, die wirtschaftlichen Folgen für
Pfarrer und Dienstherren u.a.. Wir konnten
uns des Eindruckes nicht erwehren, es werde
die für den Dienstherren jeweils preisgünstigere
Variante aus dem öffentlich-rechtlichen und
dem privatrechtlichen Dienstverhältnis herausgesucht.
Beispielsweise wird privatrechtlich angestellten
Pfarrern wie Mitarbeitern ein geringeres Gehalt
gezahlt, beim Weihnachtsgeld sollen sie aus
Gründen der Solidarität aber verzichten. Sie
sind versetzbar wie Pfarrer und haben keine
geregelte Arbeitszeit, sind aber kündbar wie
Angestellte. Ein von uns vorgetragenes Problem
könnte spannend werden. Streitigkeiten werden
nicht vor der Schlichtungsstelle, sondern
vor einem öffentlichen Gericht verhandelt.
Wie werden Richter diese Mischung beurteilen?
- § 14a PfEG - Entsendung in eine Pfarrstelle
Hier kann ich erfreulicherweise von keinem
neuen Paragraphen berichten. Es wurde der
Versuch unternommen, diesen Paragraphen dahingehend
zu ändern, dass Pfarrer z.A. auch ohne Pfarrstelle
zu Händen eines Superintendenten entsandt
werden können. Dem habe ich vehement widersprochen
und zwar mit Hinweis auf ein noch laufendes
(!) Schlichtungsverfahren, in dessen Vorgeschichte
es um einen Verstoß gegen eben diesen Paragraphen
ging. Das hatte zu dem Vorwurf geführt, der
Pfarrer könne seine Diensteignung in einer
Gemeinde nicht nachweisen. Kein Wunder, denn
er hatte nie eine. Das sollte zu einer Entlassung
führen. Sollte diese Vorgehensweise nun legalisiert
werden? Das wäre außerdem nicht mit der Verordnung
zur Feststellung der Diensteignung vereinbar
gewesen. Jeder Zusammenhang zu dem vorliegenden
Fall wurde bestritten - und der Vorschlag
zurückgezogen.
- Das Pfarrerwahlgesetz
Zu begrüßen war natürlich, dass endlich auch
Pfarrstellen mit allgemeinkirchlichen Aufgaben
ausgeschrieben werden müssen. Ob das auch
für Schulpfarrstellen gilt, ist bisher nicht
bekannt. Bedenken hatten wir geltend gemacht
bezüglich der Änderung der Besetzungsfälle,
weil damit wiederum Kompetenzen aus den Gemeinden
an die Kirchenleitung abgetreten werden. Bezüglich
der Möglichkeit des LKR, Bewerbungen nicht
an die Gemeinden weiterzuleiten, wenn Bewerber
die Anforderungen offensichtlich nicht erfüllen,
haben wir Nachprüfbarkeit gefordert, um dem
Eindruck von Willkürentscheidungen vorzubeugen.
Unsere Bedenken fanden keine Berücksichtigung
im Gesetzestext.
- Die Föderation mit der KPS
Diesbezüglich sind wir zwar hin und wieder
informiert worden, eine förmliche Aufforderung
zur Stellungnahme aber unterblieb. Offensichtlich
ging man davon aus, dass die Föderation die
Arbeits- und Lebensbedingungen der Pfarrerschaft
nicht tangieren wird. Da wir diese Ansicht
nicht für realistisch halten, haben wir trotzdem
etwas geschrieben. Eingangs habe ich dazu
schon etwas gesagt. Wir forderten den Nachweis
der Wirtschaftlichkeit, den man uns bis jetzt
schuldig blieb. Wir forderten den bewussteren
Umgang mit dem eigenen geistlichen Profil
und dem Lutherischen Bekenntnis Thüringer
Prägung und haben uns dieser Aufgabe heute
selbst gestellt. Der Vorstand des Pfarrvereins
der KPS hat mich Ende Oktober zu seiner Klausurtagung
eingeladen. Wir beide fürchten, dass nicht
die jeweils für die Pfarrerschaft günstigeren
Varianten überleben werden. Eine Zusammenarbeit
wird uns hoffentlich stärken und notfalls
trösten.
- Religionsunterrichtsverordnung
Wie meistens blieben die Passagen, die wir
begrüßten, auch erhalten, was ich allerdings
nicht als Erfolg zu werten vermag, denn unsere
Kritikpunkte blieben unberücksichtigt. Das
betraf insbesondere die Regelung, dass Pastorinnen
und Pfarrern im Teildienstverhältnis die Möglichkeit
gegeben wird, zusätzliche Stunden vergütet
zu bekommen, allerdings - und da kommt der
Pferdefuß - nicht ruhegehaltsfähig. Bisher
wurde in solchen Fällen das Dienstverhältnis
mit RU auf 100% aufgefüllt, selbstverständlich
ruhegehaltsfähig. In der Stellungnahme, aber
auch in einem Gespräch habe ich geäußert,
das verletze den Gleichbehandlungsgrundsatz,
die Fürsorgepflicht und das Alimentationsprinzip.
Lapidare Antwort: "Das ist doch albern!" Wir
können nur vor dieser Möglichkeit warnen,
ich halte sie schlicht für sittenwidrig! Wir
haben bedauert, dass die Kürzung der Bezüge
um 4% je nicht gehaltener Wochenstunde nicht
aus der Verordnung gestrichen wurde, auch
deshalb, weil diese 4% um die sogenannte Aufwandsentschädigung
zu kürzen gewesen wären. Ursprünglich sollte
die Bestrafung durch Motivation ersetzt werden.
Faktisch hat sich aber nichts geändert, abgesehen
vom bereits beschriebenen Pferdefuß.
- Übertragungsurkunden und Fürsorgepflicht
Anlässlich einer Amtseinführung ist mir im
Februar aufgefallen, dass die Übertragungsurkunde
nur noch die Pflichten des Pfarrers benennt.
Es fehlten alle Rechtsgrundlagen. Es fehlte
der Hinweis auf das Recht auf seine Stelle.
Es fehlte der Hinweis auf den Schutz der Landeskirche
und ihrer Organe. Mancher mag darüber früher
bitter gelächelt haben, weil er den Schutz
vermisst hat. Dass es nun gar nicht mehr gesagt
wird, hat mich doch verblüfft. Wollte man
damit einer neuen Entwicklung Rechnung tragen?
Wir haben beim Landesbischof nachgefragt und
diese Antwort bekommen: Die Rechte seien im
Pfarrergesetz hinreichend beschrieben und
ansonsten liege es im Ermessen des Dienstherren,
wann und wo er seine Pfarrer auf ihre Pflichten
hinweise. Mit dieser Antwort haben wir uns
nicht zufrieden gegeben, denn wir waren weder
mit dem Ton noch mit dem Inhalt einverstanden.
So haben wir diese Angelegenheit auf die Tagesordnung
des nächsten Gespräches gesetzt und die Zusage
erhalten, der Text würde erneut überarbeitet.
Wir hoffen nun, dass dies bald geschieht und
unsere Stellungnahme erfragt wird. Unbegründet
war unser Votum indes nicht, denn wir erfuhren,
dass es tatsächlich Fälle gibt, in denen dieser
Schutz nicht gewährt bzw. sogar verweigert
wird. Ein Beispiel: Begründung nach nächtlicher
Beleidigung eines Pfarrers: Er könne nicht
davon ausgehen, dass er 24 Stunden im Dienst
sei. Es sei mir die Frage gestattet, ob Ehebruch
dann auch kein Verstoß gegen § 51 PfG ist
und niemand mehr mit einem Disziplinarverfahren
rechnen muss, natürlich nur nachts. Recht
kurios, wenn es nicht so ernst wäre. Wieder
fragten wir nach dem Ordinationsverständnis.
Das war vor fast einem halben Jahr.
- Visitationsordnung
Die Stellungnahmen nehmen kein Ende, diese
wird bis übermorgen gewünscht. Ein umfangreiches
Gremium hat an der neuen Visitationsordnung
gearbeitet, allerdings blieben die Betroffenen
außen vor: Pfarrer und Gemeinden waren nicht
vertreten. Nur die Administration hatte Zutritt.
So wundert es auch nicht, dass trotz Beteuerung
des Gegenteils, der fade Beigeschmack von
Dienstaufsicht und Kontrolle bleibt. Visitation:
Beim gemeinsamen Lernen lateinischer Vokabeln
mit meinem Sohn wurde ich daran erinnert,
dass sich das von "besuchen" herleitet. Wird
es ein Besuch sein, auf den man sich freut?
Ich fürchte, diese Chance kirchlicher Erneuerung
und Ermutigung wird bald vertan sein.
- Gemeinsame Prüfung nach 10-jähriger Dienstzeit
Vor drei Monaten bekam ich den Auftrag zur
Stellungnahme im konkreten Fall. Mein Votum:
zu viele Rechte der Gemeinde und des Pfarrers
wurden verletzt, um den Landeskirchenratsbeschluss
aufrecht erhalten zu können. Der LKR wird
es wohl dennoch tun. Vor zwei Wochen bekam
ich den Auftrag zur Stellungnahme zur Neufassung
der Verordnung. Das brüderliche Gespräch und
den brüderlichen Rat wird man vergeblich suchen.
Die Prüfung dient nur noch der Vorbereitung
der Entscheidung des Kirchenamtes. Widerspruchsmöglichkeiten
von Gemeinden oder Pfarrern sind nicht vorgesehen.
- Die Schlichtungsstelle
In unserer letzten Vorstandsitzung haben wir
darüber nachgedacht, wer nach Ablauf der Mandatszeit
im kommenden Jahr als geistlicher Beisitzer
bestimmt werden soll. Die Wahl fiel wie in
der auslaufenden Mandatszeit wieder auf mich.
Diese Mühe hätten wir uns sparen können, denn
wenige Tage später erreichte uns ein Gesetzentwurf.
Die Schlichtungsstelle soll es in Thüringen
nicht mehr geben, sondern ein Verwaltungsgericht
nach KPS-Verwaltungsgerichtsordnung. Den geistlichen
Beisitzer bestimmt nicht mehr die Pfarrervertretung,
sondern die Synode. Das Vorschlagsrecht liegt
beim Landeskirchenrat. Nur noch in Fragen
des Lutherischen Pfarrergesetzes kann das
Verfassungsgericht der VELKD als zweite Instanz
angerufen werden. Bei vermögensrechtlichen
Angelegenheiten wird zukünftig der Weg zu
einem staatlichen Gericht ausgeschlossen.
Unser bisheriger Vorsitzender der Schlichtungsstelle
empfahl die Schlichtungsordnung der VELKD
als einen mutigen Schritt beizubehalten, weil
sie ausreichend und vor allem flexibel anzuwenden
sei, denn es könne auf die jeweiligen Ordnungen
der öffentlichen Gerichtsbarkeit zurückgegriffen
werden. Die Rechtssicherheit ist damit hinreichend,
wenn nicht sogar besser gewährleistet. Wir
werden ein dahingehendes Votum abgeben.
Auch wenn unsere Stellungnahmen nicht gerade
im Duktus von Liebesbriefen verfasst sind,
so ist es doch bedauerlich, wenn es darauf
oft keine Antwort gibt, wir von der Auseinandersetzung
mit unseren Sorgen nur wenig spüren. Ich bestehe
darauf, dass wir wegen unserer Liebe zu unserer
Kirche uns zu Wort melden und halte es für
eine Fehlentwicklung mit fatalen Folgen, wenn
die wichtigste Berufsgruppe das Gefühl vermittelt
bekommt, ihre Arbeit sei gefragt, aber nicht
ihre Meinung. Es hat in dieser Hinsicht Fortschritte
gegeben. Das ist unbestritten. Aber zufrieden
sein können und dürfen wir noch nicht.
- Schlusswort
Vor einigen Tagen bin ich von jungen Kollegen
gefragt worden: "Was kann ich weglassen, ohne
um meine berufliche Existenz fürchten zu müssen?"
Es macht mir Sorgen, wenn junge Pfarrer nicht
mehr begeistert, sondern ängstlich sind, fürchten,
den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Der
Kongress Europäischer Pfarrverbände in Dänemark
hat mich gelehrt, dass dies ein europäisches oder
sogar noch weiter reichendes Problem ist. Der
Systematiker Theodor Jørgensen vertrat die Auffassung,
die Globalisierung rufe die Gefahr des Ängstlichwerdens
hervor. Dem wolle man auch in den Kirchen mit
zunehmender Professionalisierung Herr werden.
Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, aber
zu oft werde sie mit der Funktionalisierung verwechselt.
Auch in unserer Kirche beschwören wir die Professionalität,
aber wir prüfen die Funktionalität. Die kann aber
in einer so komplexen Welt nur zur Überforderung
führen. Professor Jørgensen gab einen einfachen
Rat: die evangelische Gelassenheit. Nämlich das
zu tun, was ich kann und nicht das, was ich nicht
kann. Und wenn ich jemanden mit meinen Fähigkeiten
nicht erreiche , so kann ich doch für ihn beten.
Als ich im ersten Semester studierte, kam Prof.
Scharffenberg nach Jena. Er wünschte uns den Mut
zum Dilettantismus. Dürfen wir das unseren Berufsanfängern
noch sagen? Ich finde, wir müssen es wieder tun,
denn wir brauchen nicht nur eine funktionierende,
sondern eine lebendige Kirche.
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